Bohnsupp
Gebaut als Krabbenkutter Norderoog, gefahren über Nordsee, Ostsee und bis ins Mittelmeer. Seit 1991 liegt sie im Stadthafen von Neustadt in Holstein, und sie fährt noch.
Von Pellworm an die Lübecker Bucht
1939 wurde sie bei Hugo Peters in Wewelsfleth auf Kiel gelegt, Eiche auf Eiche, voll gedeckt. Der Auftraggeber Jens Johan Orth kam aus dem Krieg nicht zurück. Sein Bruder Hermann ließ den Bau zu Ende führen und fischte mit der Norderoog von Pellworm aus Krabben, bis 1975.
Danach lief der Kutter als Lotsenversetzboot und als Schlepper auf der Elbe. Aus dieser Zeit stammt der Name. Bohnsupp ist keine Suppe, sondern ein ostfriesischer Rosinenlikör: Rosinen, Kandis und Branntwein, wochenlang im Steintopf gezogen und mit dem Löffel aus kleinen Schalen gegessen. Die prallen Rosinen darin sehen aus wie Bohnen in der Suppe, daher der Name. Angesetzt wird sie, wenn ein Kind erwartet wird, und bei der Taufe gelöffelt. Die alten Fischer hatten einen Spruch dazu.
„Hest du Bohnsupp eten, hest du immer Wind inne Segels."
Wer Bohnsupp gegessen hat, hat immer Wind in den Segeln.
1991 kam sie nach Neustadt in Holstein, wurde zur Kutteryacht umgebaut und seitdem gefahren, gepflegt und Stück für Stück erneuert: Planken, Spanten, Wanten, Technik. Mindestens alle zwei Jahre geht sie auf Poel an Land.
- 1939KiellegungHugo Peters Werft, Wewelsfleth
- 1945Fertigstellung als NorderoogKrabbenkutter, Heimathafen Pellworm
- 1975Ende der FischereiUmbau, neuer Motor: Deutz V8
- ca. 1976LotsenversetzbootAuf der Elbe
- ca. 1983Schlepper auf der ElbeIn dieser Zeit erhält sie den Namen Bohnsupp
- 1991Neustadt in HolsteinNeuer Heimathafen, Umbau zur Kutteryacht
- 2016Törn nach Monaco6 000 km, über 400 Schleusen, zurück 2018 über Mosel, Rhein und Elbe
- heuteStadthafen NeustadtTraditionsschiff im Museumshafen
Eiche auf Eiche, ein Deutz im Bauch
Deutz V8, luftgekühlt
| Bereich | Ausstattung |
|---|---|
| Rigg | Klassische Kutterbesegelung: Klüver und Vorsegel mit Rollreff, Großsegel. Mast 11 m, Baum 7 m, zehn Edelstahlwanten. |
| Antrieb | Deutz V8, luftgekühlt, kein Seewasserkreislauf. Bronzeschraube 100 cm, Edelstahlwelle 70 mm. |
| Navigation | Hydraulische Ruderanlage, Raymarine Autopilot, Kartenplotter und Radar, UKW. |
| Strom | Getrennte Netze: 24 V für Fahrt und Sicherheit, 12 V für Verbraucher, 230 V über Landanschluss oder 2-kW-Wechselrichter. |
| Wärme | Eberspächer Warmwasserheizung, 10 kW, sechs Heizkörper. 80-l-Boiler. |
| Lenzen | Drei automatische Lenzpumpen, eine Hand-Notlenzpumpe. |
Pflege statt Konservierung
Über die Jahre wurden Planken und Spanten erneuert, das stehende Gut ersetzt und die Technik nach und nach neu aufgebaut: Heizung, Frischwasser, Lenzpumpen, Elektrik. 2022 kamen auf Poel neue Planken ins Unterwasserschiff.
2026 steht das Schiff solide da. Auf dem Plan stehen kosmetische Arbeiten und die weitere Erneuerung der Elektronik. Der Charakter als alter Holzkutter bleibt dabei erhalten: kein Kunststoffboot, aber ein Schiff, mit dem man weit fahren kann.
Wo sie gewesen ist
Die Bohnsupp wurde nicht als Museumsstück erhalten, sondern gefahren: Nord- und Ostsee, Dänemark, Schweden, Polen. Der weiteste Törn führte 2016 von Neustadt über Nordsee, Holland, Belgien und die französischen Kanäle bis nach Marseille, Cannes, Saint-Tropez und Monaco.
Hier entstehen die Törnberichte und das Logbuch der kommenden Saison.
Stadthafen Neustadt in Holstein
Die Bohnsupp liegt an der Hafenwestseite im Stadthafen, zusammen mit den Traditionsseglern des Vereins Museumshafen Neustadt in Holstein. Der Verein fördert den Erhalt alter Segelschiffe in der Lübecker Bucht; Ansegeln ist jeweils im Mai, Absegeln Ende Oktober.
In Neustadt ist die Bohnsupp als Traditionsschiff anerkannt und registriert.
An Bord
- Schiff
- MS Bohnsupp, ehem. Norderoog
- Heimathafen
- Neustadt in Holstein, Stadthafen
- info@ms-bohnsupp.com
Fotoshootings, Filmaufnahmen und Segeltörns auf Anfrage, im Hafen oder unter Segeln.
Wer sich für den Erhalt von Traditionsseglern interessiert, ist im Hafen willkommen.